„Die Situation im Kiez ist desaströs und die Vermüllung beeinträchtigt die Lebensqualität beträchtlich““ sagt Beate, eine Rollberger Bewohnerin, die sich seit einigen Jahren für einen sauberen Kiez engagiert. Auch die Umfragen vom Quartiersmanagement-Team und die Umfrage vom Kiezlabor (2025) bestätigen: Überfüllte Eimer, Sperrmüll an den Straßenrändern und Abfallberge vor den Containern werden als Ärgernis wahrgenommen. Die Folge ist ein Gefühl von Vernachlässigung, das Frustration und Rückzug verstärken kann. Doch gleichzeitig gibt es immer wieder Engagement aus der Nachbarschaft: Bewohner*innen, Initiativen, Schulen und eine besonders engagierte Gruppe von Menschen mit Beeinträchtigung setzen sich regelmäßig und aktiv für mehr Sauberkeit und für die Stadtnatur ein. Ihre Geschichten zeigen, was gemeinsames Handeln verändern kann – und warum es trotzdem eine häufigere Müllabholung und gut finanzierte Stadtreinigung braucht.
Welche selbstorganisierten Antworten gibt es?
Beate setzt auf persönliche Initiative – zwangsläufig: „Weil ich sehe, dass eine öffentliche Antwort auf die Probleme praktisch vollständig ausbleibt". Beate hat es erst auf politischer Ebene versucht: gemeinsam mit anderen Rollbergerinnen stellte sie eine Bürger*innenanfrage zum Thema Vermüllung im Rollbergkiez an das Bezirksparlament. Diese Möglichkeit politische Aufmerksamkeit auf Probleme in Stadtteilen zu erhalten, war jedoch wenig zufriedenstellend, so Beate. "Deshalb engagiere ich mich bei diversen Kiezputzen. Was man am besten im Blick hat, ist die eigene Straße. Hier habe ich, unterstützt vom Quartiersmanagement mit anderen beeinträchtigten Menschen angefangen, zu putzen. Weil ich nur einen Arm habe, musste immer jemand für mich meinen Eimer tragen. Aber trotz Rheuma und meinen über 80 Jahren hat das Spaß gemacht, weil wir es zusammen gemacht haben und es konstruktiv war.“ Mehrmals jährlich finden im Rollbergkiez Kiezputze organisiert durch das Quartiersmanagement-Team statt. So auch der gemeinsam von Kiezlabor, Null-Müll-Neukölln und demQM-Team organisierten Kiezputz vergangenen Herbst, als etwa 10 Teilnehmer*innen ausgestattet mit Handschuhen, Zangen, Tüten und Eimern an der von Null-Müll-Neukölln eingerichteten Müllsammel-Bank losstarteten. In anderthalb Stunden füllten sie drei große Müllsäcke mit Zigarettenstummeln, Verpackungen, Glasscherben, Elektroschrott und anderem. Auch hier war das Fazit: „Gemeinsam mache ich das gerne, aber allein macht das keinen Spaß. Eine feste Gruppe wäre großartig.“ Und so soll es sein.
Mit Nachbar*innen als Gruppe putzen
Das dachte sich auch ein weiterer Anwohner, Alea, der im März 2026 genau hierfür eine Telegramgruppe zur Problematik eröffnete und ebenso im Rollbergkiez regelmäßig Kiezputze organisiert. „Zu meiner täglichen Routine gehört es, kurze Spaziergänge durch die Lessinghöhe und die Thomashöhe zu machen. Mir fiel auf, dass dort immer mehr Müll herumlag. Also fing ich an, ihn aufzuheben. Zunächst mit bloßen Händen: einige Verpackungen, Tüten, große Dinge, die sich leicht aufheben ließen. Das reichte aber schon bald nicht mehr aus: Wenn man einmal anfängt, nach Müll zu suchen, sieht man ihn überall. Also besorgte ich mir eine Müllzange und einen Müllsack und machte hier und da ein paar Aufräumspaziergänge. Viele Leute kamen auf mich zu, um ihre Überraschung und Dankbarkeit auszudrücken. Dann, vor ein paar Wochen, sah ich den Flyer für eine Veranstaltung am Boddinplatz und ging hin. Es war inspirierend, etwa 30 Leute, die gemeinsam Müll aufsammelten. Das motivierte mich, selbst an einem Sonntag eine Aufräumaktion zu organisieren. Die lief super. Die meisten von uns verbrachten drei Stunden direkt am Eingang zur Lessinghöhe. Dort war es wirklich schmutzig, ziemlich gefährlich, mit vielen Spritzen. Aber es war inspirierend, zu sehen, wie der Ort nach drei Stunden harter Arbeit aussah. Rund 23 Säcke haben wir gesammelt, wow!" Alea hat seine Telegram-Gruppe gegründet, um aus seiner Putzaktion eine feste Einrichtung zu machen und ein Gefühl der Zugehörigkeit zu schaffen. Das QM-Team empfiehlt: in die Telegrammgruppe eintreten, mitsammeln, gut fühlen, Vorbild sein, sich freuen. 


Gemeinsam Verantwortung übernehmen mit Schulen und Kitas
Kiezputz-Aktionen machen sichtbar, dass Sauberkeit im Kiez neben der Aufgabe vom Land Berlin und dem Bezirk Neukölln auch eine Frage gemeinsamer Verantwortung ist. Bereits mehrfach hat das Quartiersmanagement deshalb gemeinsam mit den Rollberger Kita-Kindern als auch mit einzelnen Klassen der Regenbogen Grundschule und der Zuckmayer Sekundarschule Kiezputze durchgeführt. Dies ist primär engagierten Fachkräften zu verdanken, die auf das Quartiersmanagement zugekommen sind und sich mit ihren Kindern im Sozialraum engagieren und Umweltbildung durchführen wollen.
Wie wichtig Umweltbildung im Kinder- und Jugendbereich ist, davon berichtet auch Beate: "Schüler*innen, die auf ihrem Schulweg gebannt aufs Handy starren und dabei Essensverpackungen und Servietten achtlos fallen lassen- Deshalb bin ich selbst auf die Schuldirektion in meiner Straße zugegangen und habe da einzelne Gruppen angesprochen, ob sie nicht aktiv werden wollen und zum Beispiel ein Rap-Stück zum Thema machen wollen. Die Jungen haben mich an eine Mädchenclique verwiesen. Die waren von der Idee gleich begeistert. Im Sekretariat und bei der Schulleitung wurde ich allerdings wieder ausgebremst, obwohl ich angeboten habe, das als freiwilliges Angebot ohne Kosten selbst zu organisieren. Daraus ist aber nichts geworden. Das ist auch meine Erfahrung mit der Müllproblematik insgesamt. Alles zum Thema Müll, was über Institutionen läuft, klappt nicht. Dabei ginge es ja darum, alle zu motivieren und ihr Müllverhalten zu überdenken. Solange da von öffentlicher Seite nicht mehr kommt, ist es aber schwer, die Menschen für Veränderungen oder zum Mitanpacken zu begeistern. Das wäre aber nötig. Es geht immerhin auch um den Zusammenhalt im öffentlichen Raum.“
Seit Jahren im Einsatz: Menschen mit Beeinträchtigung von der Tagesgruppe
Und diese Menschen, die konsequent dem Müll im Rollbergkiez dagegenhalten – und das seit Jahren- gibt es. Peggy Büttner von der Mosaik Berlin gGmbH ist eine von ihnen. Als Motopädin im pädagogisch-therapeutischen Dienst organisiert sie gemeinsam mit ihrer Tagesgruppe von Menschen mit Behinderung regelmäßig Kiezputzaktionen in der Rollbergsiedlung. Ausgestattet mit Warnwesten, Müllgreifern und Eimern ziehen sie Woche für Woche durch die Straßen – sichtbar, engagiert und mit einer klaren Botschaft: Dieser Kiez, unsere Umwelt, unsere Natur geht uns alle an. Dieses kontinuierliche, inklusive Engagement verdient besondere Anerkennung. Die Situation im Kiez beschreibt Peggy Büttner offen: „Der Müllanteil im Rollbergkiez ist schon hoch, besonders auf öffentlichen Plätzen wie dem Spielplatz sehr störend (obwohl es mehrere Mülleimer gibt), auch auf Gehwegen.“ Besonders problematisch sei die Lage rund um Mülltonnen:„Die Situation an den Mülltonnen ist katastrophal, oft alles liegt daneben. Manchmal, vor allem rund um Silvester, brennen auch Mülltonnen, welche monatelang nicht abgeholt werden.“ Trotz dieser Herausforderungen bleibt ihr Ansatz pragmatisch und motivierend: einfach anfangen. Ob gemeinsame Kiezputze, Projekte mit Schulen und Kitas oder die Zusammenarbeit mit Nachbar*innen – Veränderung beginnt im Kleinen. „Jede*r sollte einfach anfangen – und wenn es nur der Müll vor der eigenen Tür ist, die Meldung des Mülls in der Ordnungsamt-App oder die Teilnahme an Kiezputzen ist.“ Diese Haltung lebt sie auch im Alltag: „Wenn ich in den Wald gehe, zum Pilze sammeln, habe ich zum Beispiel immer einen Müllbeutel dabei und nehme Pilze und Müll gleichzeitig mit.“ Für Peggy Büttner und ihre Gruppe ist der Einsatz mehr als nur praktische Arbeit – er schafft Sichtbarkeit und stärkt das Zugehörigkeitsgefühl: „Ich fühle mich als Teil der Gesellschaft und möchte selbst und mit meinen Teilnehmenden einen Beitrag leisten, damit mein Arbeits- und Wohnumfeld lebenswerter wird.“ Gerade für die Teilnehmenden ist diese Erfahrung von großer Bedeutung: „Sie werden als Teil der Gesellschaft wahrgenommen und leisten einen Beitrag – jede*r wie er oder sie kann.“ Neben dem persönlichen Einsatz sieht Peggy Büttner auch politischen Handlungsbedarf – etwa mehr Austausch zum Thema Müll und dichtere Reinigungsintervalle in besonders von Müll belasteten Stadtteilen wie Nordneukölln.Ihr Fazit ist so einfach wie kraftvoll: „Wenn jede*r einfach loslegen würde, wäre unser Kiez sauberer – die Gemeinschaft macht es.“
Die vielen Initiativen im Rollberg zeigen, welche vielfältigen sozialen als auch umweltbezogenen Wirkweisen Müllsammelaktionen entfalten können. Peggy fasst jedoch zu sammen: Damit sich langfristig etwas an der starken Vermüllungssituation ändert, braucht es neben der Eigeninitiative, jedoch auch deutlich mehr Unterstützung und eine besser finanzierte Müllentsorgung von öffentlicher Seite.
Anbei der Link zur Neukönner Vernetzungsgruppe "Neukölln räumt auf" wenn ihr euch für ein sauberes Neukölln einsetzen und über relevante Veranstaltungen informiert bleiben wollt: https://chat.whatsapp.com/LH2IHOznnnEFch0NvUpkGz
Außerdem hier der Link zur Vernetzung mit Nachbar*innen rund um den Rollbergkiez in der Telegrammgruppe names "PutziPutzi": https://t.me/putziputzi
Text: H. Heiland, Bilder: Alea Rodriguez, 08.04.2026








Sperrmüll nachts heimlich rausstellen und hoffen, dass es niemand merkt? Schlechte Idee! Wer sein altes Zeug auf dem Gehweg ablädt, zahlt in Berlin ab sofort richtig drauf. Der Senat hat die Bußgelder für illegale Müllentsorgung drastisch erhöht:







