Das Rollberg Paradise war in den vergangenen Tagen Anlaufpunkt für viele Neuköllner*innen, v.a. aus dem Rollberg. Als ein Veranstaltungsort der WONK-Aktionswoche vom 18. bis 27. September 2026 öffnete der Garten seine Tore gleich an mehreren Tagen mit verschiedenen Angeboten für die Rollberger Nachbarschaft und Naturbegeisterte anderer Kieze und Bezirke. Sowohl das Gartenteam der Prinzessinnengärten und das Quartiersmanagement Rollberg, aber auch viele weitere Akteure organisierten, kooperierten und veranstalteten, was das Zeug hält, um der Nachbarschaft eine ganz besondere Aktionswoche im Gemeinschaftsgarten zu bieten.Wundervolle Orte in Neukölln: Die Aktionswoche
Die Zeit verging wie im Flug, eine Veranstaltung jagte die nächste, jeden Tag ein neues Programm aus verschiedenen Veranstaltungen zu Umweltbildung, Nachhaltigkeit und Stadtnatur. Die Aktionswoche „WONK - Wundervolle Orte in Neukölln“ wurde 2025 von der Koordinierungsstelle für Umweltbildung Neukölln ins Leben gerufen und mittlerweile von 85 Neuköllner Akteuren des Umweltbildungsnetzwerks Neukölln umgesetzt. Die Vielfalt an Vereinen und Initiativen zeigt, wie breit Neukölln hinsichtlich der oben genannten Themen aufgestellt ist, wie zahlreich die meist kostenlosen Angebote sind und mit wie viel Engagement und Herzblut sie, oft mit der Unterstützung von ehrenamtlich Engagierten, durchgeführt werden.
Die Sichtbarmachung der Akteure und ihrer Arbeit sollte daher auch eine Erinnerung sein: All das ist nicht selbstverständlich und kein Selbstläufer. Es braucht politischen Willen, administrative Kooperation und gesellschaftliches Engagement, um Orte, Projekte und Angebote dauerhaft zu erhalten. Dies sahen zum Glück auch die Redner*innen der Pressekonferenz so, die den Auftakt der Aktionswoche bildete: Andreas Kraus (Staatsekretär für Klimaschutz und Umwelt), Jochen Biedermann (Bezirksstadtrat für Stadtentwicklung, Umwelt und Verkehr), Dörte Martens (Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt), Stephan Wiedemann (Umwelt- und Naturschutzamt Neukölln), Philipp Rhein (Engagementbeauftragter Neukölln), Nicola Janusch (Geschäftsführerin Freilandlabor Britz) und Miriam Rasser (Koordinierungsstelle Umweltbildung Neukölln) betonten durchgehend und nachdrücklich die wichtige Rolle, die die teilnehmenden Akteure hinsichtlich nachhaltigen Stadtentwicklung und der Sensibilisierung und Einbindung der Stadtgesellschaft in Themen wie Stadtnatur und Klimaschutz übernähmen.
Den Sommer verabschieden – Das Gartenfest
Eröffnet wurde die Aktionswoche mit einem großen Gartenfest im Rollberg Paradise, das vom Gartenteam des Prinzessinnengarten Kollektivs und dem Quartiersmanagement Rollberg koordiniert und in Kooperation mit verschiedenen Akteuren durchgeführt wurde. Der Rollberger Gemeinschaftsgarten wurde so Schauplatz eines vielfältigen Programms, rund 100 Besucher*innen kamen zusammen, um zu feiern, zu essen, zu reparieren, zu staunen, zu ernten, zu lachen, zu clean-up-en, zu tanzen, sich zu informieren, zu quatschen, zu basteln, miteinander anzustoßen und den schönen Nachmittag gemeinsam zu genießen. Die Sonne warf ihr warmes Herbstlicht auf das wild verwachsene Grün des naturnah gestalteten Gartens, dazwischen Farbtupfer reifer Tomaten, Äpfel und Auberginen, die mit im Wind tanzenden bunten Wimpelketten um die Wette leuchteten und über allem ein knallig blauer Himmel. Verstreut in dieser schönen Kulisse gab es die unterschiedlichsten Angebote: Textil-Upcycling mit den Neuköllner Stadtteilmüttern, Kräuter- und Blütenbutter herstellen mit den Prinzessinnengärten, Lastenrad-Reparaturen mit der fLotte, jede Menge Spiele und Infos zum Bündnis Fairer Handel und der Koordinierungsstelle für Umweltbildung, ein Clean-Up rund um den Garten mit Null-Müll-Neukölln, ein Live-Konzert von Tom Blacksmith und Leo Pogodda und für das leibliche Wohl sorgte ein leckeres Buffet aus Fingerfood, Blechkuchen und als absolutes Highlight frisch gebackene Pizza von Fixpunkt gGmbH. Der Nachmittag verging wie im Flug, der Garten bewies wieder einmal, dass er den Titel „Wundervoller Ort in Neukölln“ mehr als verdient und als solcher immer wieder Menschen zusammenbringt. Hier wachsen nicht nur Kräuter und Gemüse, sondern auch Gemeinschaft und Miteinander.
Theorie und Praxis: Offener Gartentag und Workshop
Um gemeinschaftliches Gärtnern ging es auch ein paar Tage nach der Eröffnung, als das Team der Prinzessinnengärten zum offenen Gartentag alle interessierten Hobbygärtner*innen und die, die es noch werden wollen, einlud, ihre Hände bei der gemeinsamen Gartenarbeit schmutzig zu machen. Im Anschluss gab es einen Workshop zu hitzeresilientem Gärtnern in der Stadt, der vom Projekt „GemeinsamKiez“ (Plan B 2030 e. V.) und dem Quartiersmanagement organisiert wurde. Gut 20 engagierte Menschen kamen zusammen, um im Austausch mit Kiezgärtner Tom Jahn über die Gestaltung von hitzeresilientem Stadtgrün, Möglichkeiten der Regenwassernutzung und die Herstellung von Terra Preta zu sprechen. Dabei kam nicht nur gärtnerisches Fachwissen zur Sprache, es wurde auch über die Fragen gesprochen, wie man neue Verbündete für seine gärtnerischen Ambitionen im Stadtraum findet, seine Nachbarschaft aktiviert, bei der Begrünung einer Baumscheibe mitzumachen oder welche Strategien helfen können, Hausverwaltungen von der Notwendigkeit einer Regentonne im Hinterhof zu überzeugen. Die Bereitschaft selbst mitanzupacken, ökologische Verantwortung für den öffentlichen Raum zu übernehmen und den eigenen Kiez im Sinne des Berliner Klimaanpassungsgesetzes weiterzuentwickeln war bei allen Teilnehmenden spürbar. Solches Engagement zu unterstützen, mit Fach- und Erfahrungswissen, aber auch mit Mut-Machen und guter Laune, auch das zählt zur bislang kostenlosen Leistung von Gemeinschaftsgärten in Berlin.
Der Garten als interkulturelles Wohnzimmer: Gemütliches Vorlesen für Familien
Als letzte Garten-Veranstaltung im Rahmen der WONK organisierten die Neuköllner Stadtteilmütter zusammen mit EPIZ – Zentrum für globales Lernen und AWO International, unterstützt vom Quartiersmanagement, einen Nachmittag für Neuköllner Familien. In einem großen Pavillon wurden Decken und Kissen ausgelegt, auf denen man es sich gemütlich machen konnte. Dazu wurde dampfender Tee aus dem Samowar gereicht und mit Blick in den Garten Kinderbücher in verschiedenen Sprachen wie Türkisch, Arabisch, Ukrainisch, Russisch und Somali vorgelesen. Für alle, deren Sprache gerade nicht an der Reihe war, gab es die Möglichkeit freundliche und gar nicht eklige Insekten aus Pappe zu basteln und ganz nebenbei zu lernen, wie wichtig die kleinen Krabbler für unsere Natur und damit auch für uns Menschen sind. Der Nachmittag war ein runder und wunderschöner Abschluss für die WONK im Gemeinschaftsgarten, bei dem offensichtlich wurde, dass Gemeinschaftsgärten auch das Potenzial haben, als attraktive Veranstaltungsorte die gesamte Nachbarschaft anzusprechen – auch jenseits von Garten- und Klimaschutzthemen. Sie bilden sogenannte dritte Orte in der Stadt, offene Treffpunkte, die allen Menschen Zugang, Teilhabe und Gestaltungsmöglichkeiten bieten, jenseits von gesellschaftlichen Zugehörigkeiten.
Und was kommt jetzt?
Bei so viel Gartenfreude, Begegnung und Kiezleben blieb am Ende der Aktionswoche nur ein Wehrmutstropfen: Das QM-Projekts „Wachsen lassen – Gemeinschaftlich gärtnern im Rollberg“ endet im Dezember. Was danach kommt? Lasst euch überraschen! Das Gartenteam arbeitet fleißig an einer Lösung, wie der Garten für die Nachbarschaft erhalten bleiben kann. Wer das Ganze gerne unterstützen und sich für die Zukunft des Rollberg Paradise einsetzen möchte, kann sich jederzeit beim Quartiersmanagement melden, Mitmachen ist weiterhin ausdrücklich erwünscht – auch nach Projektende.
Projekt wird gefördert im Programm Sozialer Zusammenhalt.
Text: QM Rollberg, September 2026














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