Plakat Kiezputz 23.03.2023 final min

Klassismus meint die Abwertung und strukturelle Benachteiligung von Menschenaufgrund ihrer finanziellen und sozialen Lage oder ihrer Lebensweise. Dabei reichen häufig schon Vermutungen darüber aus, wie die betreffenden Menschen leben, welche Bildung sie haben oder über wieviel Einkommen sie vermeintlich verfügen.

Klassismus zeigt sich in Vorurteilen
Von Menschen, die zum Beispiel in sogenannten "Brennpunktvierteln" leben, wird oft von vornherein angenommen, dass sie sich schlecht ernähren, viel fernsehen oder faul sind. Diese Menschen werden oft als "sozial schwach", "asi", "asozial" oder "prolletig" bezeichnet. Bei diesen stigmatisierenden Vorurteilen wird jedoch vergessen, dass sie vielmehr unter Bedingungen leben die sie schwächen. Was fehlt sind materielle Ressourcen und Chancengleichheit, nicht soziale Fähigkeiten.

Wo macht sich Klassismus bemerkbar?
Insbesondere bei Bildungschancen und beim „Klassenaufstieg“ erweist sich die soziale Herkunft oft als Barriere, die Möglichkeiten verbaut. So zeigen Studien, dass etwa ein Studienabbruch nicht hauptsächlich deshalb erfolgt, weil Studierende nicht die geforderten Leistungen erbringen könnten, sondern weil es für Kinder von Nichtakademikern vielfach schwieriger ist, das Studium zu finanzieren. Wer von seiner Familie kein Taschengeld erhält, den Führerschein selbst bezahlen muss und weder Praktika noch Auslands-Sprachreisen finanziert bekommt, muss seinen Bildungsaufstieg selbst mit Nebenjobs finanzieren- das kostet Kraft und Zeit. 
Außerdem müssen Kinder aus Nichtakademikerfamilien viele unsichtbare Codes – wissenschaftliche Sprache, Kleiderordnungen, bestimmte Denkweisen – erst aneignen, die Kinder in Akademikerfamilien ganz selbstverständlich nebenbei vermittelt bekommen.

Text: QM Rollbergsiedlung/H. Heiland, Februar 2026 Bild: Themenheft zu Klassismus von "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" (2017)