Ein Forschungsprojekt zu Ernährungsgewohnheiten im Rollberg stellt sich vor
Gastbeitrag des Berliner Ernährungsrats e. V.

Plakat Kiezputz 23.03.2023 final min
Anfang des Jahres 2025 haben wir uns auf den Weg gemacht, herauszufinden, ob die Rollberger*innen mit ihrer Ernährung und den Möglichkeiten, in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft an gesunde Lebensmittel zu kommen, zufrieden sind. Wir, das sind der Ernährungsrat Berlin – eine Bürgerinitiative für gutes Essen – und Kolleginnen des Fachbereiches Ernährungspolitik der Humboldt Universität zu Berlin. Unser Ziel ist es herauszufinden, welche finanziellen und strukturellen Hürden dazu führen, dass sich Menschen nicht gesund und bedarfsgerecht ernähren können.

Von der Frage zur Antwort - Wie wir an Informationen kommen
84 Menschen aus dem nördlichen Neukölln beantworteten unseren Fragebogen; darunter 71 Personen aus dem Rollberg und angrenzenden Wohnbereichen. Zeitgleich führten wir die Umfrage auch im QM-Gebiet Falkenhagener Feld (Spandau) durch, um auch auf Unterschiede zwischen den Stadtteilen eingehen zu können. Da uns die Perspektiven armutserfahrener Menschen bei diesem Thema besonders wichtig sind, befragten wir auch Kundinnen und Kunden der Berliner Tafel. Sie machen rund ein Fünftel der Antworten aus.

Lass shoppen! - Vielfältige Einkaufsmöglichkeiten in Neukölln
Von den Teilnehmenden im Umfeld des Rollbergs gaben 58% an, mit dem Lebensmittelangebot zufrieden oder sehr zufrieden zu sein, ähnlich viele wie im Falkenhagener Feld. Die Auswahl an gesunden Lebensmitteln bemängelten in Neukölln nur ca. 14%. Im Falkenhagener Feld lag die Unzufriedenheit mit rund einem Viertel der Teilnehmenden deutlich höher. In Neukölln erreichen rund 89% der Teilnehmenden ihre Einkaufsmöglichkeiten zu Fuß oder mit dem Fahrrad (24%), nur 17% nutzten das Auto und 31% die öffentlichen Verkehrsmittel. Dagegen erreichten im Falkenhagener Feld nur fast 70% ihren Einkaufsort zu Fuß. Deutlich mehr nutzten ein Auto (35%) oder die öffentlichen Verkehrsmittel (43%). Im Umfeld des Rollbergs nutzten 65% mehr als zwei Geschäfte für ihren Lebensmitteleinkauf. Im Falkenhagener Feld hingegen 43% der Befragten in einem oder maximal zwei Geschäften. Auch die Anzahl derer, die einen Obst- und Gemüsehandel aufsuchten, ist in Neukölln deutlich höher. Das zeigt auf: Die Nachbarschaft in Neukölln hat mehr Auswahlmöglichkeit als die Menschen im Falkenhagener Feld. Sie ist so weniger stark auf die großen Discounter und Supermarktketten angewiesen.


Hunger – Was Ernährungsarmut bedeutet
Leider können wir mit den erzielten Umfrageergebnissen noch keine Aussage darüber treffen, wie verbreitet Ernährungsarmut ist. Wir können allerdings beschreiben, was es bedeutet, unter Ernährungsarmut zu leiden: So aßen 77% der von Ernährungsarmut Betroffenen nur eine eingeschränkte Auswahl an Lebensmitteln. 74% gaben an, sich nicht gesund und ausgewogen ernähren zu können. 39% mussten ganze Mahlzeiten auslassen und 15% gaben sogar an aus finanzieller Not teilweise ganze Tage lang nichts gegessen zu haben. Ungefähr ein Viertel der Betroffenen verzichtet oft oder sehr oft auf Nahrungsmittel, um andere Lebenshaltungskosten zu decken. 63% müssen oft oder sehr oft weniger nachhaltige Produkte wählen, als eigentlich gewünscht.


Gesunde, ausgewogene Ernährung ist ein Menschenrecht!
Leider leben wir in einer Welt, in der die Annahme vorherrscht, es sei ein Privileg, gut genährt zu sein. Dem ist nicht so! Wer sich gesunde, frische Lebensmittel nicht leisten kann oder an Orten des Lernens, der Pflege und Arbeit schlecht versorgt ist, wird in seinen Grundrechten verletzt. Ernährungsarmut grenzt aus und wirkt sich negativ auf die Gesundheit und die Umwelt aus. Das bestätigt sich durch unsere Ergebnisse.

Wir fordern daher eine Anpassung der Sozialleistungen, den Ausbau des beitragsfreien Kita- und Schulessens, sowie den Ausbau von Kiez-Kantinen und sozialen Angeboten!


Text und Logo: Ernährungsrat Berlin e. V.

Redaktion: QM Rollberg, Februar 2026