Wer ist arm?
Am stärksten von Armut betroffen sind Alleinerziehende, junge Erwachsene, Menschen über 65, Menschen mit niedrigem Bildungsabschluss und Menschen mit Flucht- oder Migrationslebenslauf. 70 Prozent der Armen sind deutsche Staatsbürger, 30 Prozent nicht.
Kinderarmut ist berlinweit seit einigen Jahren rückläufig. In Neukölln ist dennoch jedes dritte Kind/jeder dritte Jugendliche von Armut betroffen. Das ist die höchste Kinderarmutsquote in Berlin.
Menschen in Ausbildung, Studium oder Pflegende Angehörige und Menschen in Elternzeit sind zu einem guten Drittel arm. Menschen im Ruhestand sind zu knapp 30 Prozent von Armut betroffen. Bei den Arbeitssuchenden sind es etwas über 12 Prozent. Aber auch von den Erwerbstätigen, etwa im Niedriglohnsektor oder in Teilzeit, sind fast ein Viertel (23,5 Prozent) trotz ihrer Arbeit arm.
Die Gruppe der sogenannten Totalverweigerer, also derjenigen unter den Bürgergeldempfängern, die angebotene Jobs und Vermittlungen ablehnen, beträgt gerade einmal 0,4 Prozent.

Wer arm ist bleibt arm

Deutschland zählt weltweit zu den Ländern mit der niedrigsten sozialen Mobilität. Das heißt, Armut und Wohlstand werden wie Bildungs- und Erwerbschancen von Eltern an ihre Kinder weitergegeben. Aufstieg, Erfolg, Einkommen und Teilhabe sind häufig nicht so sehr von eigenen Anstrengungen abhängig wie von Herkunft und Lebenslage.
Wer erfährt, dass die eigene Leistungsbereitschaft nicht belohnt wird, verliert leichter das Vertrauen in Bildungssystem und Gesellschaft. Das kann auch zu Politikverdrossenheit führen. Deshalb ist Chancengleichheit eine Frage von Gerechtigkeit, aber auch wichtig für die Stabilität unserer Demokratie.

Wo ist Berlin besonders arm? 
Armut konzentriert sich in Neukölln, Mitte, Spandau und Marzahn-Hellersdorf. Nord-Neukölln hat einen besonders hohen Anteil von armutsbetroffenen jungen Menschen- 2024 lag er bei 40,5 Prozent. 

Wie steht es im Rollbergkiez mit Armut?
Im Rollbergkiez konzentriert sich Armut: mit Stand Dezember 2023 liegt die Kinder- und Familienarmut bei 51%, wodurch der Rollbergkiez zu einem der am meisten von Armut belasteten Stadtteile Berlins zählt. Auch auch diesem Grund gibt es hier seit 1999 ein Quartiersmanagement. Kostenfreie Freizeitangebote, Gruppenangebote, Feste und Weiterbildungsmöglichkeiten im Kiez sind daher unerlässlich, geben Tagesstruktur, lenken von Sorgen und ermöglichen Gemeinschaft und Teilhabe.

Woher stammen die Zahlen und wo kann man sich weiter informieren?
Armutsbericht, Paritätischer Verband (2025)
Studie zur Wohnarmut in Deutschland, Paritätischer Verband (2025)
Studie zur versteckten Armut: Forschungsbericht 668, Bundesministerium Arbeit und Soziales (BMAS, 2025)
Arbeitsmarktbericht Bundesagentur für Arbeit (April 2025)
Studie zur sozialen Mobilität in Deutschland: IFO Institut (2025)
Chancengleichheit: Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin, 2025)
Kinderarmutsbericht Neukölln (2025)
7. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, DESTATIS (2026)
Berliner Sozialbericht 2025
Datenblatt zum QM Rollbergkiez der Senatsverwaltung (2023)

Text: QM Rollbergsiedlung und H. Heiland, Februar 2026, Bild: picture alliance/ dpa/ Wolfram Steinberg