Was ist eure Verbindung zum Rollbergkiez?
Unser Projekt hat seinen Fokus auf Gruppierungen in Neukölln und Hellersdorf. Wir haben im Jahr 2023 und teils auch 2024 im Rollbergkiez mit dem Kiezanker e. V. zusammengearbeitet und eine Utopie entwickelt. Dabei ist ein Klima-Comic und ein tolles Wandbild in der Briesestraße entstanden. (Das Wandbild wurde leider von ein paar wenig talentierten Graffiti „Künstlern“ übermalt. Den Comic gibt es aber weiterhin, hier auf unserer Website und auch ausgedruckt zu bekommen.)
Ihr habt zusammen mit den Stadtteilmüttern an einem Projekt gearbeitet, das auf das wachsende Problem des antimuslimischen Rassismus aufmerksam macht – kannst du uns mehr davon erzählen?
Antimuslimischer Rassismus und Alltagsrassismus sind deutschlandweit, aber auch hier in Berlin und speziell in Neukölln, ein großes Problem. Die Stadtteilmütter haben uns berichtet, dass dieser nach dem terroristischen Angriff der Hamas auf Israel stark zugenommen hat. Auch in den Medien wird häufig sehr einseitig berichtet, und ein Großteil der deutschen Mehrheitsgesellschaft hat keinen differenzierten Blick auf eine vielfältige Gemeinschaft von Menschen mit sehr unterschiedlichen Lebensrealitäten, die Teil unserer Gesellschaft sind. Viele von ihnen sind mit starken Vorurteilen konfrontiert und einige denken sogar darüber nach, dieses Land – ihr Land – zu verlassen, weil sie sich nicht mehr willkommen fühlen.
Welche Erfahrungen und Geschichten der beteiligten und/oder betroffenen Personen sind in die Umsetzung des Projekts mit eingeflossen?
Die Frauen haben viel über Alltagsrassismus berichtet. Sie selbst oder ihnen nahestehende Menschen werden oft komisch angesehen oder schlecht behandelt. Sie haben Situationen beschrieben aus dem täglichen Leben in der Schule, in der U-Bahn, im Supermarkt oder beim Amt. Entweder werden sie komisch angesehen oder auch körperlich angegangen, beispielsweise in der U-Bahn angerempelt und sogar am Kopftuch gezogen. Aufgrund ihres Aussehens werden sie beispielsweise für Terrorist*innen gehalten und systematisch benachteiligt. Es wird ihnen beispielsweise nicht zugetraut, gute Berufe auszuüben oder dass ihre Kinder studieren könnten. Einmal sei sogar ein Kind von einem Polizisten beleidigt worden, aufgrund seines Aussehens. Es sind Situationen, die sicherlich sehr viele Menschen jeden Tag erleben müssen, über die aber nicht viel berichtet wird.
Welches Ziel verfolgt ihr mit dem Projekt?
In Workshops haben wir gemeinsam mit den Stadtteilmüttern eine Plakataktion entwickelt und Plakate gestaltet, die Vorurteile abbauen und der zunehmenden Vereinfachung in der öffentlichen Debatte etwas entgegensetzen sollen. Wir wollen die Vielfalt unserer Gesellschaft sichtbar machen – in ihrer echten Diversität – und einfache Annahmen sowie pauschale Vorurteile aufbrechen. Die entstandenen Bilder werden im Kiez als Plakate und Sticker verteilt und aufgehängt, voraussichtlich Mitte August. Auf diese Weise möchten wir einen Beitrag für mehr Sichtbarkeit von Vielfalt und ein respektvolles Miteinander leisten. Gerne wollen wir auch alle Interessierten einladen, mitzumachen und die Plakate im Kiez zu verteilen und aufhängen. Die Plakate können dann im QM Büro geholt werden.
Die Bilder zeigen zwei der drei Plakatmotive. Vor dem Druck der Plakate werden noch die in den Workshops erarbeitet Slogans und die Logos der beteiligten Initiativen und Unterstützenden hinzugefügt.
Das Interview führte H. Heiland via E-Mail im Juli 2025.





